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Mittwoch, 6. Juli 2011

Rezension: "Das rote Licht des Mondes" von Silvia Kaffke

 
Zum Inhalt:
Ruhrort, 1854: Ein neues Zeitalter ist angebrochen. Lina Kaufmeister, Tochter eines angesehenen Spediteurs und Reeders, blüht in den Jahren des Umbruchs auf. Sie ist eine begnadete Schneiderin und träumt davon, sich selbständig zu machen. Ihr Bruder Georg, nach dem Tod des Vaters Linas Vormund, setzt alles daran, dies zu vereiteln. Der Abend, an dem Lina auf die grausam zugerichteten Leichen zweier Mädchen stößt, verändert ihr Leben. Der Anblick lässt sie nicht mehr los: Beiden wurden die Herzen, dem älteren sogar ein Kind aus dem Leib geschnitten. Ein Werk des Teufels? Zusammen mit dem neuen Commissar Robert Borghoff, dessen ungewöhnliche Ermittlungsmethoden mit Misstrauen betrachtet werden, kommt Lina einer Verschwörung auf die Spur. Die Schuldigen sind schwer zu fassen. Und als der Blutmond die Stadt in sein rotes Licht taucht, ist keiner mehr sicher ... 

Meine Meinung....und ich warne schon mal vor Spoilern:
Dieser Roman ist einer der besten historischen Krimis, die ich bisher gelesen habe. Silvia Kaffke hat sehr viel Zeit für ihre Recherchen verwendet und das merkt man. Die Handlung liegt über 150 Jahre zurück und trotzdem ist sie sehr lebendig. Man sieht die Straßen Ruhrorts direkt vor sich und kann sich wunderbar vorstellen, wie es damals gewesen sein muss. Keine Elektrizität, kein fließendes Wasser in den Häusern. Und Anstand und Moral hatten einen hohen Stellenwert, zumindest nach außen hin. 
Lina Kaufmeister ist eine junge, mutige Frau, die sich nicht in die von der Gesellschaft vorgegebene Rolle der Frau fügen will und auf eigenen Beinen stehen möchte. Jahrelang hat sie als "Hausangestellte" im Elternhaus, das nun ihrem Bruder gehört, gelebt und gearbeitet, das Hauspersonal beaufsichtigt und alles organisiert. Und ihren kranken Vater gepflegt. Aufgrund einer körperlichen Einschränkung - eine steife Hüfte - gab es nie jemanden, der sie heiraten wollte und Lina selbst hat die Hoffnung auf eine Ehe aufgegeben. 
Daher bittet sie ihren Vater um die schriftliche Erlaubnis, nach seinem Tode eine eigene kleine Wohnung beziehen zu dürfen.
Aber als es soweit ist, verweigert ihr tyrannischer Bruder ihr diese Freiheit. Und Lina bereut es zunächst bitter, als  sie sich während seines Urlaub heimlich aus dem Haus schleicht und bei der Witwe Dahlmann ein Zimmer mietet. 
Die Szene, als Georg seine Schwester mit Gewalt zurückholen will und sie sogar misshandelt, hat mich richtig wütend gemacht. 
Hier wird einem erst klar, wie gut wir es als Frau heute haben. Lina war nur eine unmündige Hausangestellte bei ihrem Bruder, die keinerlei Rechte, aber jede Menge Pflichten hatte. Und alleinstehend galt man als "alte Jungfer" und allein irgendwohin zu gehen, geschweige denn alleine zu leben, gehörte sich einfach nicht.

Zum einen ist "Das rote Licht des Mondes" also ein historischer Roman und man erfährt viel über das Leben im Ruhrgebiet im 19. Jahrhundert, auch über die industrielle Geschichte und Entwicklung. Franz Haniel ist ein Stichwort. Und es ist der Kampf einer mutigen jungen Frau für ihr Recht auf ein eigenständiges Leben. Lina war mir von Anfang an sympathisch. :-) Und auch das junge Hausmädchen Finchen hat mir sehr gut gefallen.

Außerdem gibt es eine spannende Krimi-Story um eine geheimnisvolle Verbindung mächtiger Geschäftsleute in Ruhrort, die auch vor grausigen Morden und Kindesentführungen nicht zurückschrecken, um ihr Ziel zu erreichen.

Und "ganz nebenbei" gibt es auch noch eine Liebesgeschichte und ein Happy End für Lina, die die Hoffnung auf eine glückliche Beziehung schon aufgegeben hatte. 
Und das freut mich besonders. :-)

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